BG8-244 Vratislav Manak: Mit Wittgenstein in der Schwulensauna

Zweifellos eines der tiefgründigsten und zugleich erfrischendsten Bücher, die es zum Thema Schwulsein, schwules Leben, schwules Selbstbewusstsein gibt. Der Kern dieser Sammlung an Beobachtungen und Gedanken ist immer: Ohne unsere Körper, die andere Männerkörper begehren, gibt es uns Schwule nicht. An sechs zentralen Orten schwuler Körperlichkeit, wie dem Wiener Kaiserbründl, dem Budapester Rudas oder den Cruisingplätzen Prags, zeigt Vratislav Maňák, was mit uns geschieht, wenn wir dorthin gehen: Wie wir genau dort zu uns selbst kommen können. Doch es sind keine überhöhenden Hymnen oder Mythen eines verklärten Schwulseins, Vratislav Maňák ist vielmehr ein Meister der Ironie und der Selbstkritik, und so zeigt er in allen Möglichkeiten auch immer die Gefahren auf. Anbiederung an die Mehrheitsgesellschaft und Selbstvergessenheit zeigt er als die geläufigsten Fehlentwicklungen von Emanzipation und Gleichheitsgedanken. Und gerade bei seinen kritischen Passagen wird das Buch so richtig packend, denn Vratislav Maňák inszeniert das zu Kritisierende stets zunächst als etwas vermeintlich Wunderschönes. Man ist gefangen in den schönsten Betrachtungen – nur um dann zu lesen, in welchen haltlosen Illusionen und Dummheiten man sich verstrickt hat. Allein schon wegen dieser rhetorisch-argumentativen Kunst in klarer und schlichter Sprache rentiert sich die Lektüre dieses bezaubernden Buches; doch das Beste kommt zum Schluss und es gipfelt in der Verbindung von schwuler Selbstverortung und politischem Statement. Ein aufregendes, nachdenkliches und über die Maßen erotisches Buch; kurz: das perfekte schwule Vademecum.

Vratislav Manak: Mit Wittgenstein in der Schwulensauna
D 2026, 192 S., geb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert