Der erste Roman, den Jean Genet 1942 im Zuchthaus von Frèsnes beendete und mit dem er in die vorderste Reihe der französischen Dichter des 20. Jahrhunderts trat.
Jean Genet: Notre-dame-des-fleurs
Dt. v. Gerhard Hock. D 2001, 352 S., geb.
Der erste Roman, den Jean Genet 1942 im Zuchthaus von Frèsnes beendete und mit dem er in die vorderste Reihe der französischen Dichter des 20. Jahrhunderts trat.
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Atemberaubend!
Eine bunte, plüschfarbene Kaskade an Phantasien und Ideen bei der Schilderung queerer Milieus im Frankreich der 30er Jahre.
Transvestiten „Tunten“, Zuhälter(Louis genannt), Huren( Männer + Frauen), Kleinkriminalität, Armut und Glanz, Jugend und Alter, Geilheit, Liebe, Sehnsüchte, Mord, Gefängnis sind die großen Themen die Genet hier in einen Reigen kleidet, der betroffen macht und gleichzeitig fasziniert.
Die Schilderung schwuler Begierde und Sexualität hat sogar mich als Heterofrau angesprochen.
Ein großes Stück Literatur, das Konzentration und Ausdauer fordert.
Dafür erschließt sich ein Kosmos dessen Existenz einen verwandelt und seltsam berührt zurücklässt.
Fast eine spirituelle Erfahrung, möchte ich sagen, weil die Geschichten die Seele streifen, staunen lassen, über die Größe, das Elend und all das dazwischen menschlicher Existenz.
Genet schildert manches auch immer wieder in religiöser Sprache. Natürlich will er damit provozieren, Nihilismus und Dekadenz des Katholischen beschwören.
Aber wenn er schreibt, die Brust des Geliebten sei so schön, dass er darauf die Messe lesen wolle – dann bleibt einfach nur Bewunderung für die Schönheit und Tiefe menschlicher Ausdruckskraft.