BG8-271 Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

Fast wäre ihm eine Cruising-Affäre im Berliner Tiergarten zum Verhängnis geworden, doch Max Aue entzieht sich »den Arsch noch voll Sperma« dem Gefängnis durch ein verlockendes SS-Angebot. Für den Sicherheitsdienst berichtet er zunächst über die Reibereien zwischen SS und Wehrmacht, wird in Stalingrad verwundet und soll schließlich – hoch dekoriert – einen Ausgleich zwischen Kriegs- und Vernichtungs-Interessen des Nazi-Reiches herstellen. Der Insiderbericht (die Figur Max Aue ist fiktiv, die Begebenheiten des Romans jedoch historisch) des Beauftragten zur »Rationalisierung« des Hollocaust ist ein echtes Novum in der Verarbeitung der Nazi-Verbrechen: Indem Littell die Motivation der Täter darstellt, die vordergründig ihre Aufgaben gewissenhaft erledigten, zeigt er, wie eine hoch arbeitsteilige Organisation von schuldhafter Verantwortung ablenken kann. Zugleich ist »Die Wohlgesinnten« aber auch ein packend geschriebener schwuler Abenteuer-Roman, der schonungslos die brutale wie oft ebenso grotesk unfähige Struktur des Nazi-Regimes aufdeckt.

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten
Dt. v. H. Kober. D 2008, 1385 S., Pb

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